Es ist nicht das erste Mal, dass Linksradikale, die am Berliner Engeldamm Randale machen, die lokalen Schlagzeilen dominieren. Abermals schockierten sie am 30.09.2014 die Geschäftsinhaber und Anwohner des Bezirks Berlin Mitte, indem Sie mit Pflastersteinen die dort angesiedelten Luxusimmobilien und Geschäfte bombardierten und mit grüner Farbe beschmierten.

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Im Zuge der Randale gingen mehrere Fensterscheiben zu Bruch und Baustellenabsperrungen wurden in Brand gesetzt. Erst als die Polizei eingriff, das Gebiet absperrte und die Feuerwehr die Brände löschte, beruhigte sich die Lage.

Bereits zu Endes des vergangenen Jahres kam es zu Randalen am Engeldamm. Im Dezember 2013 waren 20 Personen unterwegs, um Hausfassaden mit Farbe zu beschmieren sowie Dixi-Klos anzuzünden und Bauzäune auf die Straßen zu werfen.

Damals wie heute lautet die Bilanz: zehntausende von Euro Schaden.

Schon die im Jahr 2013 an einer Glasscheibe hinterlassene Botschaft “Krzbrg Flora” war unmissverständlich:
Luxusmieter unerwünscht!

Noch deutlicher wurden die Linksradikalen, die auf einer Internetseite ein Bekennerschreiben zu den Steinwürfen und Zündeleien veröffentlichten, in diesem Jahr, denn sie begründeten die Randale mit der Verdrängung einkommensschwacher Bürger aus dem Kiez durch Besserverdienende.

Wir von HEWO Internetmarketing haben unsere Büros im Frühjahr 2014 im Hinterhaus dieses wunderschönen Gebäudes bezogen. Die aktuellen Ergeinisse haben wir einmal zum Anlass genommen, im folgenden Beitrag auf die bewegte Geschichte der Gebäude am Berliner Engeldamm aufmerksam zu machen und dabei das ehemalige Berliner Gewerkschaftshaus in den Blickpunkt rücken.

Postkarte um 1900

 

Das Berliner Gewerkschaftshaus am Engeldamm

In einer Beilage der Zeitung “Vorwärts”, dem 1876 gegründeten Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie, erschien am 30. März des Jahres 1900 ein ausführlicher Artikel mit dem Titel: “Das Gewerkschaftshaus”.

In diesem Artikel heißt es:

“Aus dem Grau nüchterner Mietskasernen steigt keck ein roter Ziegelsteinbau in die Lüfte.

Es ist ein massives Haus, dem auch der Nichtfachmann die Solidität auf den ersten Blick ansieht. Massig und doch von einer fast koketten Formenschönheit mit seinem hohen Frontgiebel, seinen weiten, der Sonne geöffneten Fenstern, seinen anheimelnden gastlichen Torbogen.

Gewerkschaftshaus steht an der Front zu lesen.”

(Quelle: http://www.luise-berlin.de/bms/bmstxt00/0003novb.htm , Zugriff: 07.10.2014)

Das Berliner Gewerkschaftshaus am Engeldamm, von dem hier die Rede ist, hatte zwar bereits Vorgänger in anderen großen Städten wie zum Beispiel Frankfurt am Main und Stuttgart, diese waren jedoch allesamt Umbauten und keine eigens zum Zwecke eine Gewerkschaft zu beherbergen, erbauten Gebäude.

Mit dem Berliner Gewerkschaftshaus verhielt es sich anders. Errichtet wurde das auch stolz als “Rote Burg” bezeichnete und als Baudenkmal gelistete Gebäude zwischen 1899 und 1900 nach den Entwürfen der beiden Architekten und Regierungsbaumeister Friedrich Körte (1857-1929) und Konrad Reimer (1853-1915).

Beim Bau des Berliner Gewerkschaftshauses folge man der von Johannes Sassenbach, dem Geschäftsführer der “Gesellschaft Gewerkschaftshaus mit beschränkter Haftung” formulierten Devise:

“Die Richtschnur bei der Entwerfung der Pläne musste sein: möglichste Ausnutzung des vorhandenen Bodens, praktische Anordnung der einzelnen Räumlichkeiten, Benutzung aller modernen Errungenschaften und gefällige, das Auge befriedigende Architektur, dabei Vermeidung aller unnützen Kosten.”

(Quelle: Hanns-Albrecht Schwarz: Johann Sassenbach. Ein Lebensbild. In: Johannes-Sassenbach-Gesellschaft e. V. Förderverein für Bibliothek und Archiv der Gewerkschaftsbewegung: Johannes Sassenbach. Ehrung in Berlin anlässlich seines 140. Geburtstages. Berlin-Lichterfelde, 2006. Heft 6, S. 23-52, Zitat S. 36.)

So entstand am Engelufer, zwischenzeitlich Fritz-Heckert-Straße und heute Engeldamm ein eindrucksvoller Gebäudekomplex im Baustil der Backsteingotik.

Auch heute ist dieser beeindruckende Bau, der ursprünglich aus drei Teilen bestand, in seiner originären Form noch zu zwei Dritteln erhalten.

Damals beherbergte das Vorderhaus die Verbandsbüros, die Krankenkassen, die Arbeitsnachweise sowie einen Tabakladen und ein Restaurant. Das erste Quergebäude diente als Saalbau, wobei im größten Saal bis zu 1000 Menschen Platz fanden.

Die Herberge mit mehreren Baderäumen und einer Waschküche war im zweiten Quergebäude untergebracht. In der Herberge standen 200 Betten bereit, um reisenden Gewerkschaftern und beschäftigungssuchenden Arbeitern ebenso eine Unterkunft zu gewähren wie wandernden Handwerksgesellen.

In der Berliner Illustrierten wurde die Herberge folgendermaßen beschrieben:

“Weitaus der interessanteste Teil ist das zweite Quergebäude. Hier befindet sich die Herberge mit 200 Betten. Luftige, saubere, anheimelnde Räume. Ein Nachtquartier kostet hier von 40 bis 45 Pfennige. Hier ist der zugereiste Arbeiter prächtig aufgehoben. Auch ein Lesesaal ist da, in den Seitenflügeln und in den anderen Stockwerken befinden sich noch einige separierte Logiszimmer.”

(Quelle: http://www.berlinstreet.de/643, Zugriff 07.10. 2014)

Bereits kurz nach der Errichtung der Roten Burg galt sie als eine Berliner Sehenswürdigkeit, so dass zahlreiche Professoren, Studenten, aber auch namhafte Künstler sowie Wissenschaftler aus dem In- und Ausland und natürlich die SPD-Reichstagsfraktion das Gebäude besuchten.

Im Berliner Gewerkschaftshaus hatten mehr als 20 Verbände ihren Arbeitsnachweis, allerdings war zu Beginn für Militärpersonen der Eintritt verboten.

Leo Aron – ohne den sozialistischen Bankierssohn hätte es die Rote Burg nicht gegeben

Mit der Errichtung des Berliner Gewerkschaftshauses ist untrennbar der Name Martin Leo Aron (1860 bis 1919) verbunden.

Leo Aron war der Sohn eines jüdischen Bankiers, studierter Physiker und an der Berliner Universität ab 1890 als Privatdozent tätig.

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Bereits Mitte der 1890er Jahre veranstaltete Leo Aron in seinem Haus illustre Gesprächsabende und diskutierte mit Journalisten, Angestellten und Kaufleuten sowie Vertretern der unterschiedlichen innerparteilichen Strömungen.

Diese Treffen wurden entweder als “Schmalzstullenklub” oder als “Roter Salon” bezeichnet. Entsprechend ist es nicht unwahrscheinlich, dass an einem dieser Gesprächsabende die Idee entstand, ein Berliner Gewerkschaftshaus zu errichten.

Der aktive Sozialdemokrat Arons förderte diese Idee tatkräftig und stellte auch das notwendige Anfangskapital für den Kauf des Grundstücks am damaligen Engelufer bereit.

Schon bald wurde für den Bau des Gebäudes durch 30 Gewerkschaftsorganisationen eine GmbH gegründet und Leo Arons – der Erfinder der Quecksilberbogenlampe – verschrieb sich diesem Projekt voll und ganz.

Im Leben des Privatdozenten markierte das Jahr 1900 zugleich einen Höhepunkt als auch einen Tiefpunkt. Während ihm im Januar die Lehrerlaubnis durch das preußische Kulturministerium entzogen wurde, nahm er im März desselben Jahres als Aufsichtsratsvorsitzender an der feierlichen Einweihung des Berliner Gewerkschaftshauses teil.

Das Gebäude steht noch heute in Berlin Mitte am Engeldamm und wäre ohne Leo Arons Engagement, und zwar sowohl finanzieller als auch persönlicher Natur, wohl niemals gebaut wurden.

Historischer Abriss: die Gebäude am Engeldamm 64 und deren Nachbargebäude

In der Öffentlichkeit hatte sich aufgrund der Tatsache, dass zur damaligen Zeit sehr viele der Gewerkschaften sozialistisch ausgerichtet waren, der Name “Rote Burg” beziehungsweise “Rote Engelsburg” schnell eingebürgert.

Zwar wurde die Rote Burg für Gewerkschaftszwecke errichtet und war seit 1900 auch der zentrale Ort der gewerkschaftlichen Organisation in Berlin, allerdings fand in diesem Gebäude neben der Gewerkschaftsarbeit auch Parteipolitik, wie beispielsweise Parteitage der SPD, statt.

Daneben diente das Gewerkschaftshaus am Engeldamm in den folgenden 45 Jahren auch als Wohnhaus sowie als Herberge und zur Unterbringung von Büros.

Dies änderte sich allerdings am 2. Mai des Jahres 1933, als die Rote Burg – ebenso wie alle anderen Gewerkschaftshäuser in Deutschland – von der SA besetzt wurde.

So erlangte das Berliner Gewerkschaftshaus mit dem Einzug der Nazis traurige Berühmtheit, denn Aufnahmen von der Inbesitznahme des Gebäudes gingen damals um die Welt.

In den folgenden Tagen und Wochen kam es zur Zerschlagung der Gewerkschaften durch die nationalsozialistische Organisation “Deutsche Arbeitsfront”, die das Berliner Gewerkschaftshaus fortan gemeinsam mit der Berliner Gauverwaltung, d. h. der Organisation “Kraft durch Freunde”, nutzte.

Mit dem Einzug der faschistischen Gewerkschaft wurde das Haus am Engeldamm in das “Haus der deutschen Arbeit” umbenannt.

Jedoch war die Besetzung am 1. Mai 1933 nicht der erste Angriff nationalsozialistischer Gruppen auf das Gewerkschaftshaus in Berlin: So wurde die Rote Burg bereits im Februar des Jahres 1933 durch die SA verwüstet.

Ein ähnliches Schicksal ereilte in Deutschland zahlreiche – mindestens jedoch 20 – weitere gewerkschaftliches Institutionen, die von den Nationalsozialisten bis Mitte März überfallen wurden.

Während der folgenden Kriegsjahre wandelte sich die Nutzung des Gebäudes am Engeldamm, denn es wurden immer mehr Betten für die zahlreichen Kriegsverletzten eingestellt.

Nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten wurde dieser Wechsel in der Nutzung des Berliner Gewerkschaftshauses immer stärker forciert: Denn ebenso wie im Ersten Weltkrieg, in dem ein Teil des Gebäudes vom Roten Kreuz belegt wurde, nutzte man die Rote Burg auch nach 1945 als Notkrankenhaus.

Obwohl der erste Querflügel während der Bombardierung Berlins zerstört wurde, baute man das Berliner Gewerkschaftshaus in den darauf folgenden Jahren zum Krankenhaus Berlin Mitte aus.

So blieb die Rote Burg auch nach dem Ende des Nationalsozialismus als Krankenhaus erhalten und wurde in den nächsten 45 Jahren auch als solches genutzt.

Allerdings wurde der Engeldamm im August des Jahres 1961 als die Berliner Mauer errichtet wurde, zum Grenzgebiet. Aufgrund der Tatsache, dass die Hinterlandmauer mitten auf dieser Straße verlief, blickte man von der Roten Burg nun direkt auf den sogenannten Todesstreifen.

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Nach dem Ende der DDR und der Wiedervereinigung Deutschlands wurde das Haus ebenfalls für die Medizin genutzt. So beherbergte das Gebäude in den Jahren von 1992 bis 1997 das Tropeninstitut des Landes Berlin.

Allerdings währte diese Nutzung nicht lange, so dass im Jahr 1999 ein erneuter Nutzungswechsel eintrat.

Anders als man vermuten könnte, waren es jedoch nicht die deutschen Gewerkschaften, die die Rote Burg wieder für sich und ihre Zwecke nutzen wollten, sondern ein privater Investor, der sowohl das Vordergebäude als auch das zweite Quergebäude zu Wohnungen umgestalten lies.

Bis dato ist die Konzeptbau München GmbH der Eigentümer des ehemaligen Berliner Gewerkschaftshauses am Engeldamm.

Das Unternehmen restaurierte die gesamte Anlage, um sie für die gewerbliche Nutzung umzubauen und Wohnimmobilien für den gehobenen Anspruch in Berlin Mitte bereitszustellen.

Entsprechend befinden sich im Vorder- und im zweiten Quergebäude derzeit Wohnungen und und im Erdgeschoss des Gebäudes sowie im teils wiederaufgebauten Zwischenbau sind Gewerbe eingezogen.

Zudem beeindruckt die Rote Burg noch immer mit ihrer imposanten Backsteinfront mit verzierten Torbögen, Spitztürmen, roten Ziegeln mit weißen Putzflächen und dem hohen mit Ornamenten geschmückten Giebel an der Front.

Auch der Grünzug um das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde wieder hergestellt. Der Namenszug “Gewerkschaftshaus” an der Backsteinfront der Roten Engelsburg ist heute dort allerdings nicht mehr zu lesen.

Quellen